Nachdem Ende Juli ein Denkmal zu Ehren der Roten Armee in Pyrzyce (Woiwodschaft Westpommern) abgerissen worden war, traf es nun einen Gedenkort in der Woiwodschaft Schlesien. In Bytom, dem einstigen Beuthen, einer im Oberschlesischen Kohlerevier gelegenen Großstadt mit rund 150.000 Einwohnern stand ein rund sechs Meter hoher Obelisk zum Gedenken an die Gefallenen der Roten Armee.
In der umliegenden sowjetischen Kriegsgräberanlage sind nach Angaben des Nachrichtenportals ŻycieBytomskie rund 6.296 Sowjetsoldaten begraben, darunter 533 Kriegsgefangene, die in deutscher Gefangenschaft ums Leben gekommen waren. Nur 955 der dort begrabenen Toten sind namentlich bekannt. Die Anlage wurde im Jahr 1945 errichtet und in den 50er-Jahren erweitert.
Doch das Hauptstück der Anlage, der Obelisk mit dem Roten Stern der sowjetischen Armee, existiert nicht mehr. Laut Meldung der russischen Nachrichtenagentur TASS haben die örtlichen Behörden am 4. September 2026 den Abriss des Monuments durchführen lassen.
Die Botschaft der Russischen Föderation in Warschau legte angesichts dieses Vorgehens gegen eine Kriegsgräberstätte Protest ein und forderte, das Denkmal in seinen ordnungsgemäßen Zustand zurückzuversetzen. Ähnliche Vorfälle dürften sich in Zukunft nicht mehr ereignen.
Die diplomatische Vertretung Russlands schrieb angesichts des Zerstörungswerk in Bytom von einem "Akt des staatlichen Vandalismus" und einem "Sakrileg". Der "Krieg gegen Denkmäler" beinhalte eine Fälschung der Geschichte, die darauf abziele, die Befreiungstat der Roten Armee aus dem Bewusstsein der Polen tilgen zu wollen.
Des Weiteren wies die russische Botschaft darauf hin, dass Polen mit dem Abriss des Bytomer Monuments das polnisch-russische Kriegsgräberabkommen von 1994 verletze, das solche Gedenkobjekte unter Schutz stelle und zu ihrem Erhalt in einem ordnungsgemäßen Zustand verpflichte.
Die polnische Seite rekurriert dagegen gerade auf den schlechten baulichen Zustand des Monuments, der einen Abriss nötig gemacht habe. In einer Pressemitteilung vom 7. September 2026 argumentiert die Stadtverwaltung Bytom damit, dass der Obelisk eine Gefahr für Leib und Leben der Friedhofsbesucher dargestellt hätte. Auch seien Teile des Gesimses und des Putzes bereits abgebröckelt. Die Bezirksbauaufsichtsbehörde habe schließlich die Entscheidung zum Abriss des Denkmals getroffen.
ŻycieBytomskie verweist zudem in einem Artikel zum Abriss darauf, dass sich in Polen laut gängiger Auffassung der Schutz von Kriegsgräberstätten nicht auf "kommunistische oder faschistische Symbole, Propagandainschriften oder Denkmäler, die die UdSSR oder das Dritte Reich verherrlichen" erstrecke, auch wenn sie sich auf Kriegsgräberstätten befänden.
Den Obelisken konnte auch der Umstand nicht mehr retten, dass ein einst darauf befindliches Stalin-Zitat, das besagte: "Unsere Sache ist gerecht – wir haben gesiegt", schon vor einiger Zeit entfernt worden war.
Nicht alle sind indes mit der Entscheidung glücklich. So klagte ein Bytomer Lehrer und Lokalhistoriker auf der Social-Media-Plattform Facebook: "Mit tiefer Trauer teile ich Ihnen mit, dass der Obelisk für die gefallenen Rotarmisten auf dem Friedhof von Bytom nicht mehr existiert … Es geschah ganz still und leise. Man hätte lediglich die sowjetischen Symbole entfernen können (ähnlich wie in Piekary) … Zerstörung fällt uns so leicht."
Das offizielle Bytom beschreitet derweil andere Wege der Erinnerungskultur und beschäftigt sich statt mit der Würdigung der Verdienste der Rote Armee mit der Aufarbeitung des Kommunismus und der Erinnerung an die sogenannte Oberschlesische Tragödie (Tragedia Górnośląska) im Jahr 1945.
Alljährlich lässt die Stadtverwaltung das Massaker von Miechowitz in einem Historien-Schauspiel nachstellen. Dazu kommen ein derzeit laufender Geschichtswettbewerb und ein schulisches Bildungsprojekt, ebenfalls zur Oberschlesischen Tragödie.
Ein Gedenkort in Form eines Viehwaggons erinnert seit 2015 an die Zehntausenden Oberschlesier, die nach 1945 Zwangsarbeit in der Sowjetunion leisten mussten. Auf dem Marktplatz von Bytom, wo einst ebenfalls Rotarmisten begraben waren und gleichfalls ein Obelisk zu sehen war, steht seit 2008 ein "Denkmal der Opfer des kommunistischen Terrors".
Mehr zum Thema – Russland setzt Estlands Premierministerin auf Fahndungsliste